Zwei neue Capabilities in den Hauptspecs: - datei-eio: Dateiverwaltung, drei Zugriffsarten, UTF-32-Festtextfelder, Recordkonvertierung, Sperren, Dateisystem-Anweisungen - sprachinventar: das Vollstaendigkeits-Inventar als pruefbares Artefakt Fortgeschrieben: textbildschirm (Doppelzellen, Groessenunabhaengigkeit, Bildschirmanweisungen), konsolen-basisbibliothek (Host-Neuschnitt, volle String-/Format-/Datums-/Finanzbibliothek), kompat-testkorpus (Snapshot-Vergleich, Nachweis der Groessenunabhaengigkeit), sprach-frontend (Signaturpflicht, ON-ERROR-Scoping, DATA-Rohtext). Bilanz: +32 Anforderungen, 6 geaendert, 1 ersetzt. Co-Authored-By: Claude Opus 5 (1M context) <noreply@anthropic.com>
9.2 KiB
sprach-frontend Specification
Purpose
Das Sprach-Frontend übersetzt Terminal-Basic-Quelltext (VBDOS-kompatibler Dialekt) in einen typgeprüften AST: Lexer, fehlertoleranter Parser und semantische Analyse mit Diagnostik nach den Meldungstexten des Vorbilds.
Requirements
Requirement: Lexikalische Analyse nach Sprachreferenz
Der Lexer SHALL Quelltext gemäß docs/sprachreferenz.md §1 zerlegen:
Typ-Suffixe (% & ! # $ @) an Bezeichnern und Literalen, case-insensitive
Keywords (Bibliotheksnamen bleiben Bezeichner), '/REM-Kommentare,
:-Anweisungstrenner, Zeilenfortsetzung mit _, Hex- (&H) und
Oktal-Literale (&O), ""-Escape in Strings sowie die Metabefehle
'$INCLUDE, '$STATIC, '$DYNAMIC.
Scenario: Suffix trennt Bibliotheksfunktion von Keyword
- WHEN der Lexer
STRING$undSTRINGliest - THEN wird
STRING$als Bezeichner (Builtin) undSTRINGals Typ-Keyword erkannt
Scenario: Zeilenfortsetzung
- WHEN eine Zeile nach Leerraum mit
_endet - THEN wird die Folgezeile ohne Zeilenende-Token angeschlossen
Requirement: Literal-Typisierung
Der Lexer SHALL numerische Literale typisieren: Ganzzahlen INTEGER → LONG
→ Gleitkomma nach Wertebereich; E-Exponent → SINGLE, D-Exponent →
DOUBLE; Suffixe erzwingen den Typ (Überlauf → Diagnose „Overflow");
Dezimalpunkt-Literale bis 7 signifikante Stellen → SINGLE, darüber →
DOUBLE (Projektentscheidung 2026-09-02); @-Literale als
Currency-Festkomma ×10 000.
Scenario: Schwelle SINGLE/DOUBLE
- WHEN die Literale
1.5und3.14159265gelext werden - THEN ist
1.5SINGLE und3.14159265DOUBLE
Requirement: Vollständige Anweisungs-Grammatik
Der Parser SHALL den Anweisungssatz des Dialekts in einen AST überführen,
darunter: Zuweisung inkl. MID$-Anweisung, PRINT/LPRINT (mit
USING/#-Datei, ?-Kurzform), INPUT/LINE INPUT, IF (Block und
einzeilig, THEN zeilennummer), SELECT CASE (Werte, TO-Bereiche,
IS-Vergleiche, CASE ELSE), FOR/DO/WHILE-Schleifen mit EXIT,
GOTO/GOSUB/RETURN/ON … GOTO|GOSUB, ON [LOCAL] ERROR/RESUME,
DIM/REDIM/ERASE/CONST/DEFtype/OPTION/TYPE…END TYPE/
DECLARE/SUB/FUNCTION/CALL, COMMON/SHARED/STATIC,
DATA/READ/RESTORE, DEF FN (einzeilig und Blockform),
VIEW PRINT, NAME … AS, Ereignissteuerung (TIMER/KEY(n)/UEVENT ON|OFF|STOP) sowie die komplette Datei-E/A-Grammatik (OPEN in beiden
Syntaxen inkl. ISAM-/ACCESS-/LOCK-Klauseln, CLOSE, FIELD,
GET/PUT, LSET/RSET, WRITE, SEEK, LOCK/UNLOCK).
Zeilennummern und Labels am Zeilenanfang SHALL als Sprungziele erfasst
werden.
Scenario: Blockstrukturen über mehrere Zeilen
- WHEN ein
SELECT CASEmitCASE 1: PRINT "eins"undCASE ELSEgeparst wird - THEN entsteht ein Select-Knoten mit zwei Armen und Inline-Anweisungen im ersten Arm
Scenario: Fehlertoleranz je Anweisung
- WHEN eine Anweisung einen Syntaxfehler enthält
- THEN wird eine Diagnose mit Position gesammelt, bis zum Anweisungsende synchronisiert und die Folgeanweisung normal geparst
Requirement: Semantische Prüfung
Die Semantik SHALL prüfen: Typkompatibilität (numerisch ↔ numerisch,
String ↔ String; sonst „Type mismatch"), implizite Deklaration bei
Erstverwendung (Suffix-getrennte Variablen), DEFtype-Buchstabenbereiche,
OPTION EXPLICIT („Variable not defined"), Arrays (implizit, DIM,
REDIM; doppelte explizite Deklaration → „Duplicate definition"),
UDT-Feldzugriffe (kunde.name mit Feldtyp; unbekanntes Feld → „Element
not defined"), SHARED-Import von Modulvariablen in Prozeduren,
Konstantenfaltung für CONST (nicht konstant → „Invalid constant"),
Sprungziele („Label not defined") sowie Prozedur- und Builtin-Signaturen
(Anzahl → „Argument-count mismatch", Typen).
Scenario: Typkonflikt
- WHEN
a$ = 1geprüft wird - THEN wird „Type mismatch" mit Quelltextposition gemeldet
Scenario: UDT-Feldtyp
- WHEN ein
TYPEmit FeldName AS STRING * 30deklariert ist undk.Name = 5geprüft wird - THEN wird „Type mismatch" gemeldet
Requirement: Compile-Zeit-Abweisung deklarierter Non-Features
Die Semantik MUST jede Verwendung der in docs/sprachreferenz.md
(„Abweichungen") deklarierten Non-Features — Hardware-Nähe (PEEK,
POKE, INP, OUT, WAIT, BLOAD/BSAVE, VARPTR-Familie, CALL ABSOLUTE/INTERRUPT, IOCTL), CHAIN, Grafik-Anweisungen, SOUND/
PLAY und die Event-Geräte COM/PEN/PLAY/STRIG — zur Compile-Zeit
mit der Meldung „Feature unavailable" abweisen. Dokumentierte Features
außerhalb dieser Liste MUST NOT abgewiesen werden (Guiding Principle).
Scenario: Hardware-Zugriff
- WHEN
POKE 100, 1oderx = PEEK(100)kompiliert wird - THEN erscheint die Compile-Diagnose „Feature unavailable"
Requirement: Diagnostik mit Vorbild-Meldungen
Diagnosen SHALL exakte 1-basierte Quelltextpositionen (Zeile, Spalte) tragen; die Meldungstexte SHALL dem Katalog des Vorbilds folgen, wo eine Entsprechung existiert (z. B. „Type mismatch", „Duplicate definition", „Label not defined", „Subprogram not defined", „Overflow").
Scenario: Position in der Diagnose
- WHEN in Zeile 3 ein Typkonflikt auftritt
- THEN nennt die Diagnose Zeile 3 und die Spalte des Ausdrucks
Requirement: Typisiertes HIR als Sema-Ausgabe
Die semantische Analyse SHALL neben den Diagnosen einen typisierten,
abgesenkten Zwischenbaum (HIR) liefern, der die Codegen-Eingabe bildet:
Namen sind zu Slot-/Tabellenindizes aufgelöst, jeder Ausdrucksknoten
trägt seinen Ergebnistyp, CONST-Werte sind gefaltet, DEFtype-Regeln
angewandt und implizite Konvertierungen als explizite
Konvertierungsknoten materialisiert. Bei Diagnosen mit Fehlercharakter
darf kein HIR für das betroffene Konstrukt garantiert werden; ein
diagnose-freies Modul MUST ein vollständiges HIR ergeben.
Scenario: Konvertierung wird materialisiert
- WHEN
d# = i% + 1.5#semantisch analysiert wird - THEN enthält das HIR einen expliziten Konvertierungsknoten INTEGER→DOUBLE unter dem Additionsknoten und die Zuweisung trägt den Zieltyp DOUBLE
Scenario: Diagnose-freies Modul liefert HIR
- WHEN ein Korpusmodul ohne Diagnosen analysiert wird
- THEN liefert das Frontend ein HIR, aus dem der Codegen ohne erneute Namens- oder Typauflösung Bytecode erzeugen kann
Requirement: Jedes dokumentierte Element besitzt eine Signatur
Die Semantik SHALL für jedes im Sprachinventar geführte Element eine
Signatur besitzen (Argumentanzahl und -typen) — auch für Elemente, deren
Laufzeitverhalten noch aussteht. Ein im Inventar geführtes Element MUST
NOT als unbekannter Bezeichner oder mit einem generischen Syntaxfehler
abgewiesen werden; die Diagnose bzw. der Laufzeitfehler MUST es
namentlich nennen (Guiding Principle). Das gilt insbesondere für die
Gruppen, die bisher gar keine Signatur haben: die finanzmathematischen
Funktionen, die Record-Konvertierungsfunktionen (MK…$/CV…), die
Dateisystem-Funktionen CURDIR$, DIR$, CHDRIVE, sowie LPOS,
STACK, SYSTEM, ERDEV/ERDEV$ und SetFormatCC.
Scenario: Element ohne Laufzeitverhalten wird namentlich abgewiesen
- WHEN ein Modul eine im Inventar als
offengeführte Funktion verwendet - THEN nennt die Ablehnung deren Namen und nicht „unbekannter Bezeichner"
Scenario: Argumentprüfung ohne Laufzeitverhalten
- WHEN ein Modul
MKL$()ohne Argument enthält - THEN meldet die Semantik eine Argumentanzahl-Diagnose, die
MKL$nennt
Requirement: Modulweites ON ERROR ist aus Prozeduren ansprechbar
ON ERROR GOTO label ohne LOCAL SHALL einen modulweiten Fehlerhandler
setzen, dessen Sprungziel auch dann aufgelöst wird, wenn die Anweisung in
einer Prozedur steht und das Label auf Modulebene liegt. Nur
ON LOCAL ERROR GOTO label SHALL prozedurlokale Handler-Auflösung
verlangen. Ein modulweites ON ERROR in einer Prozedur MUST NOT wie
ON LOCAL ERROR behandelt werden, und ein auf Modulebene vorhandenes
Label MUST NOT als „Label not defined" gemeldet werden.
Scenario: Handler auf Modulebene aus einer Prozedur
- WHEN ein Modul das Label
Fehler:auf Modulebene führt und eineSUBdie AnweisungON ERROR GOTO Fehlerenthält - THEN wird das Label aufgelöst und es entsteht keine Diagnose
Scenario: ON LOCAL ERROR bleibt prozedurlokal
- WHEN eine
SUBdie AnweisungON LOCAL ERROR GOTO Fehlerenthält undFehler:nur auf Modulebene existiert - THEN wird „Label not defined" gemeldet
Requirement: DATA-Elemente behalten ihren Rohtext
Unquotierte Elemente einer DATA-Anweisung SHALL exakt so erhalten
bleiben, wie sie im Quelltext stehen — insbesondere in ihrer Groß- und
Kleinschreibung. Die Normalisierung von Bezeichnern MUST NOT auf
DATA-Elemente wirken. Führender und nachgestellter Leerraum eines
unquotierten Elements SHALL entfernt werden, innenliegender erhalten
bleiben.
Scenario: Gemischte Schreibweise bleibt erhalten
- WHEN ein Modul
DATA Hallo Weltenthält undREAD s$ausgeführt wird - THEN enthält
s$den TextHallo Weltmit unveränderter Groß- und Kleinschreibung
Scenario: Leerraum an den Rändern
- WHEN ein Modul
DATA ab cdenthält und gelesen wird - THEN lautet der Wert
ab cd