# sprach-frontend Specification ## Purpose Das Sprach-Frontend übersetzt Terminal-Basic-Quelltext (VBDOS-kompatibler Dialekt) in einen typgeprüften AST: Lexer, fehlertoleranter Parser und semantische Analyse mit Diagnostik nach den Meldungstexten des Vorbilds. ## Requirements ### Requirement: Lexikalische Analyse nach Sprachreferenz Der Lexer SHALL Quelltext gemäß docs/sprachreferenz.md §1 zerlegen: Typ-Suffixe (`% & ! # $ @`) an Bezeichnern und Literalen, case-insensitive Keywords (Bibliotheksnamen bleiben Bezeichner), `'`/`REM`-Kommentare, `:`-Anweisungstrenner, Zeilenfortsetzung mit `_`, Hex- (`&H`) und Oktal-Literale (`&O`), `""`-Escape in Strings sowie die Metabefehle `'$INCLUDE`, `'$STATIC`, `'$DYNAMIC`. #### Scenario: Suffix trennt Bibliotheksfunktion von Keyword - **WHEN** der Lexer `STRING$` und `STRING` liest - **THEN** wird `STRING$` als Bezeichner (Builtin) und `STRING` als Typ-Keyword erkannt #### Scenario: Zeilenfortsetzung - **WHEN** eine Zeile nach Leerraum mit `_` endet - **THEN** wird die Folgezeile ohne Zeilenende-Token angeschlossen ### Requirement: Literal-Typisierung Der Lexer SHALL numerische Literale typisieren: Ganzzahlen INTEGER → LONG → Gleitkomma nach Wertebereich; `E`-Exponent → SINGLE, `D`-Exponent → DOUBLE; Suffixe erzwingen den Typ (Überlauf → Diagnose „Overflow"); Dezimalpunkt-Literale bis 7 signifikante Stellen → SINGLE, darüber → DOUBLE (Projektentscheidung 2026-09-02); `@`-Literale als Currency-Festkomma ×10 000. #### Scenario: Schwelle SINGLE/DOUBLE - **WHEN** die Literale `1.5` und `3.14159265` gelext werden - **THEN** ist `1.5` SINGLE und `3.14159265` DOUBLE ### Requirement: Vollständige Anweisungs-Grammatik Der Parser SHALL den Anweisungssatz des Dialekts in einen AST überführen, darunter: Zuweisung inkl. `MID$`-Anweisung, `PRINT`/`LPRINT` (mit `USING`/`#`-Datei, `?`-Kurzform), `INPUT`/`LINE INPUT`, `IF` (Block und einzeilig, `THEN zeilennummer`), `SELECT CASE` (Werte, `TO`-Bereiche, `IS`-Vergleiche, `CASE ELSE`), `FOR`/`DO`/`WHILE`-Schleifen mit `EXIT`, `GOTO`/`GOSUB`/`RETURN`/`ON … GOTO|GOSUB`, `ON [LOCAL] ERROR`/`RESUME`, `DIM`/`REDIM`/`ERASE`/`CONST`/`DEFtype`/`OPTION`/`TYPE…END TYPE`/ `DECLARE`/`SUB`/`FUNCTION`/`CALL`, `COMMON`/`SHARED`/`STATIC`, `DATA`/`READ`/`RESTORE`, `DEF FN` (einzeilig und Blockform), `VIEW PRINT`, `NAME … AS`, Ereignissteuerung (`TIMER/KEY(n)/UEVENT ON|OFF|STOP`) sowie die komplette Datei-E/A-Grammatik (`OPEN` in beiden Syntaxen inkl. `ISAM`-/`ACCESS`-/`LOCK`-Klauseln, `CLOSE`, `FIELD`, `GET`/`PUT`, `LSET`/`RSET`, `WRITE`, `SEEK`, `LOCK`/`UNLOCK`). Zeilennummern und Labels am Zeilenanfang SHALL als Sprungziele erfasst werden. #### Scenario: Blockstrukturen über mehrere Zeilen - **WHEN** ein `SELECT CASE` mit `CASE 1: PRINT "eins"` und `CASE ELSE` geparst wird - **THEN** entsteht ein Select-Knoten mit zwei Armen und Inline-Anweisungen im ersten Arm #### Scenario: Fehlertoleranz je Anweisung - **WHEN** eine Anweisung einen Syntaxfehler enthält - **THEN** wird eine Diagnose mit Position gesammelt, bis zum Anweisungsende synchronisiert und die Folgeanweisung normal geparst ### Requirement: Semantische Prüfung Die Semantik SHALL prüfen: Typkompatibilität (numerisch ↔ numerisch, String ↔ String; sonst „Type mismatch"), implizite Deklaration bei Erstverwendung (Suffix-getrennte Variablen), `DEFtype`-Buchstabenbereiche, `OPTION EXPLICIT` („Variable not defined"), Arrays (implizit, `DIM`, `REDIM`; doppelte explizite Deklaration → „Duplicate definition"), UDT-Feldzugriffe (`kunde.name` mit Feldtyp; unbekanntes Feld → „Element not defined"), `SHARED`-Import von Modulvariablen in Prozeduren, Konstantenfaltung für `CONST` (nicht konstant → „Invalid constant"), Sprungziele („Label not defined") sowie Prozedur- und Builtin-Signaturen (Anzahl → „Argument-count mismatch", Typen). #### Scenario: Typkonflikt - **WHEN** `a$ = 1` geprüft wird - **THEN** wird „Type mismatch" mit Quelltextposition gemeldet #### Scenario: UDT-Feldtyp - **WHEN** ein `TYPE` mit Feld `Name AS STRING * 30` deklariert ist und `k.Name = 5` geprüft wird - **THEN** wird „Type mismatch" gemeldet ### Requirement: Compile-Zeit-Abweisung deklarierter Non-Features Die Semantik MUST jede Verwendung der in docs/sprachreferenz.md („Abweichungen") deklarierten Non-Features — Hardware-Nähe (`PEEK`, `POKE`, `INP`, `OUT`, `WAIT`, `BLOAD`/`BSAVE`, `VARPTR`-Familie, `CALL ABSOLUTE`/`INTERRUPT`, `IOCTL`), `CHAIN`, Grafik-Anweisungen, `SOUND`/ `PLAY` und die Event-Geräte `COM`/`PEN`/`PLAY`/`STRIG` — zur Compile-Zeit mit der Meldung „Feature unavailable" abweisen. Dokumentierte Features außerhalb dieser Liste MUST NOT abgewiesen werden (Guiding Principle). #### Scenario: Hardware-Zugriff - **WHEN** `POKE 100, 1` oder `x = PEEK(100)` kompiliert wird - **THEN** erscheint die Compile-Diagnose „Feature unavailable" ### Requirement: Diagnostik mit Vorbild-Meldungen Diagnosen SHALL exakte 1-basierte Quelltextpositionen (Zeile, Spalte) tragen; die Meldungstexte SHALL dem Katalog des Vorbilds folgen, wo eine Entsprechung existiert (z. B. „Type mismatch", „Duplicate definition", „Label not defined", „Subprogram not defined", „Overflow"). #### Scenario: Position in der Diagnose - **WHEN** in Zeile 3 ein Typkonflikt auftritt - **THEN** nennt die Diagnose Zeile 3 und die Spalte des Ausdrucks ### Requirement: Typisiertes HIR als Sema-Ausgabe Die semantische Analyse SHALL neben den Diagnosen einen typisierten, abgesenkten Zwischenbaum (HIR) liefern, der die Codegen-Eingabe bildet: Namen sind zu Slot-/Tabellenindizes aufgelöst, jeder Ausdrucksknoten trägt seinen Ergebnistyp, `CONST`-Werte sind gefaltet, `DEFtype`-Regeln angewandt und implizite Konvertierungen als explizite Konvertierungsknoten materialisiert. Bei Diagnosen mit Fehlercharakter darf kein HIR für das betroffene Konstrukt garantiert werden; ein diagnose-freies Modul MUST ein vollständiges HIR ergeben. #### Scenario: Konvertierung wird materialisiert - **WHEN** `d# = i% + 1.5#` semantisch analysiert wird - **THEN** enthält das HIR einen expliziten Konvertierungsknoten INTEGER→DOUBLE unter dem Additionsknoten und die Zuweisung trägt den Zieltyp DOUBLE #### Scenario: Diagnose-freies Modul liefert HIR - **WHEN** ein Korpusmodul ohne Diagnosen analysiert wird - **THEN** liefert das Frontend ein HIR, aus dem der Codegen ohne erneute Namens- oder Typauflösung Bytecode erzeugen kann