# textbildschirm Specification ## Purpose Der emulierte Textbildschirm ist die Rendering-Grundlage für `PRINT`, `LOCATE`, `COLOR`, `CLS` und später die Forms-Engine: Unicode-Zellenpuffer mit dynamischer Terminalgröße und klassischer 16-Farben-Palette auf Ratatui. ## Requirements ### Requirement: Dynamische Terminalgröße mit Mindestmaß Der Bildschirm SHALL der Terminalgröße folgen (Puffer per `resize` anpassbar; Inhalt bleibt oben links erhalten, Cursor wird geklemmt). Die Größe SHALL zu jedem Zeitpunkt aus der Darstellungsfläche abgeleitet und nicht fest vorgegeben werden. Die Mindestgröße ist 80×25: kleinere Werte werden auf 80×25 geklemmt, und ist die Render-Fläche kleiner als 80×25, SHALL nur ein Hinweis „Terminal zu klein" mit Ist- und Mindestgröße gerendert werden. Dieses Mindestmaß ist ausschließlich eine untere Schranke der Darstellung; es MUST NOT als Bildschirmgröße im Verhalten des Programms auftreten, solange die Fläche größer ist. #### Scenario: Vergrößertes Terminal - **WHEN** der Bildschirm auf 120×40 gesetzt wird - **THEN** sind alle 120 Spalten und 40 Zeilen adressierbar (`LOCATE 40, 120`) #### Scenario: Zu kleines Terminal - **WHEN** die Render-Fläche 60×20 misst - **THEN** erscheint statt des Puffers der Hinweis mit Minimum 80×25 ### Requirement: PRINT-Semantik mit Umbruch und Scrollen `print` SHALL Zeichen an der Cursorposition ausgeben, am rechten Rand umbrechen und am unteren Rand des Scrollbereichs den Bereich um eine Zeile nach oben scrollen; `\n` bricht um, `\r` setzt an den Zeilenanfang. `VIEW PRINT oben TO unten` SHALL das Scrollen auf den Bereich begrenzen; ohne eigene Einstellung folgt der Scrollbereich der Bildschirmgröße. #### Scenario: Scrollen in VIEW-PRINT-Bereich - **WHEN** der Scrollbereich Zeilen 3–5 umfasst und in Zeile 5 ein Umbruch erfolgt - **THEN** scrollen nur die Zeilen 3–5; Kopfzeilen außerhalb bleiben unverändert ### Requirement: 1-basierte Cursor-API mit Bereichsprüfung `LOCATE`, `CSRLIN` und `POS` SHALL 1-basiert arbeiten. `LOCATE` außerhalb der aktuellen Bildschirmgrenzen SHALL Laufzeitfehler 5 „Illegal function call" auslösen. Ausgelassene Argumente von `LOCATE` SHALL den jeweiligen Wert unverändert lassen; die Argumente für Cursorsichtbarkeit und Cursorform SHALL entgegengenommen und, soweit das Terminal sie nicht abbilden kann, folgenlos bleiben. #### Scenario: Grenzprüfung - **WHEN** bei 80×25 `LOCATE 26, 1` aufgerufen wird - **THEN** tritt Laufzeitfehler 5 auf #### Scenario: Ausgelassenes LOCATE-Argument - **WHEN** der Cursor auf (5, 9) steht und `LOCATE , 3` ausgeführt wird - **THEN** steht der Cursor auf (5, 3) ### Requirement: Klassische Farbpalette und Blink-Simulation Der Bildschirm SHALL die klassische Palette abbilden (Vordergrund 0–15, Hintergrund 0–7) und auf ANSI-Indexfarben mappen (klassisch 1 = Blau ↔ ANSI 4 usw.). Blinkende Vordergrundfarben (16–31) SHALL als „hell" simuliert werden (Farbe − 16, Intensitätsbit gesetzt) — kein echtes Terminal-Blinken. #### Scenario: Blink wird hell - **WHEN** `COLOR 17, 0` gesetzt wird (blinkend Blau) - **THEN** wird mit heller Vordergrundfarbe 9 gerendert ### Requirement: Unicode-Zellenmodell Der Puffer SHALL Unicode-Zeichen speichern (keine CP437-Emulation). Zeichen mit Darstellungsbreite 2 (u. a. Emoji, CJK) SHALL zwei nebeneinanderliegende Zellen belegen (Entscheidung 2026-09-02): die erste trägt das Zeichen, die zweite ist als Fortsetzung markiert und MUST NOT eigenständig beschrieben werden. Der Cursor SHALL nach der Ausgabe eines breiten Zeichens um zwei Spalten vorrücken; `POS` SHALL die Spalte des Zeichenanfangs zählen. Passt ein breites Zeichen nicht mehr in die letzte Spalte, SHALL es vollständig in die nächste Zeile umgebrochen werden und die letzte Spalte leer bleiben. `LOCATE` auf die Fortsetzungszelle SHALL auf den Zeichenanfang wirken. #### Scenario: Umlaute und Symbole - **WHEN** `Ä☃` ausgegeben wird - **THEN** belegen `Ä` und `☃` je genau eine Zelle #### Scenario: Breites Zeichen belegt zwei Zellen - **WHEN** an Spalte 1 ein CJK-Zeichen ausgegeben wird - **THEN** ist Spalte 2 als Fortsetzung belegt und der Cursor steht auf Spalte 3 #### Scenario: Breites Zeichen am rechten Rand - **WHEN** bei 80 Spalten der Cursor auf Spalte 80 steht und ein breites Zeichen ausgegeben wird - **THEN** bleibt Spalte 80 leer und das Zeichen steht in Spalte 1 der Folgezeile ### Requirement: Zellenpuffer ohne Terminalabhängigkeit Der Zellenpuffer mit der vollständigen Bildschirmsemantik (Cursor, Farbattribute, Umbruch, Scrollen, Scrollbereich, Größenänderung) SHALL ohne Terminal instanziierbar, veränderbar und auslesbar sein. Die Anbindung an ein konkretes Terminal SHALL ausschließlich in der Darstellungsschicht liegen. Damit MUST jedes Bildschirmverhalten in automatischen Tests ohne Terminal prüfbar sein, und die Ausführungsschicht MUST NOT von einer Terminal-Bibliothek abhängen. Ein separater Einbetter SHALL die VM einschließlich Forms ohne Terminalbackend bauen und ausführen können. Der CLI-Runner SHALL das Backend ausdrücklich zuschalten. #### Scenario: Bildschirmverhalten im Test ohne Terminal - **WHEN** ein Testprogramm in einer Umgebung ohne Terminal `LOCATE 5, 10 : PRINT "x"` ausführt - **THEN** trägt die Zelle (5, 10) das Zeichen `x` und der Test benötigt kein Terminal #### Scenario: Terminalfreier Einbetter - **WHEN** ein separates Programm ausschließlich die VM mit einem Capture-Host einbindet - **THEN** enthält sein aufgelöster Abhängigkeitsbaum keine Terminalbibliothek und die Forms-Tests können darin laufen ### Requirement: Bildschirmanweisungen des Dialekts `CLS`, `COLOR`, `LOCATE`, `WIDTH`, `VIEW PRINT` und die Anweisungsform von `SCREEN` SHALL auf dem Zellenpuffer wirken. `CLS` SHALL den Scrollbereich löschen und den Cursor an dessen Anfang setzen; `CLS 2` SHALL nur den Textbereich löschen. `COLOR` SHALL Vordergrund und Hintergrund für nachfolgende Ausgaben setzen, ausgelassene Argumente lassen den bisherigen Wert unverändert. `WIDTH` SHALL die Spalten- und Zeilenzahl setzen, soweit die Darstellungsfläche es zulässt. `VIEW PRINT oben TO unten` SHALL den Scrollbereich begrenzen, `VIEW PRINT` ohne Argumente ihn auf den ganzen Bildschirm zurücksetzen. #### Scenario: CLS setzt Cursor zurück - **WHEN** nach Ausgaben in Zeile 10 `CLS` ausgeführt wird - **THEN** ist der Puffer leer und `CSRLIN` liefert 1, `POS(0)` liefert 1 #### Scenario: COLOR wirkt nur auf Folgeausgaben - **WHEN** `PRINT "a" : COLOR 14, 1 : PRINT "b"` ausgeführt wird - **THEN** trägt die Zelle mit `a` das vorherige Attribut und die Zelle mit `b` Vordergrund 14 auf Hintergrund 1 #### Scenario: Ausgelassenes COLOR-Argument - **WHEN** nach `COLOR 14, 1` die Anweisung `COLOR , 4` ausgeführt wird - **THEN** bleibt der Vordergrund 14 und der Hintergrund wird 4 ### Requirement: Bildschirm-Abfragefunktionen `CSRLIN` SHALL die aktuelle Cursorzeile liefern, `POS(0)` die aktuelle Cursorspalte, beide 1-basiert. Die Funktionsform `SCREEN(zeile, spalte [, farbe])` SHALL das Zeichen an der genannten Position als Codepoint liefern, bei gesetztem dritten Argument stattdessen dessen Farbattribut. Positionen außerhalb des Bildschirms MUST Laufzeitfehler 5 „Illegal function call" auslösen. #### Scenario: Zeichen zurücklesen - **WHEN** `LOCATE 3, 7 : PRINT "Q";` ausgeführt und danach `SCREEN(3, 7)` ausgewertet wird - **THEN** liefert `SCREEN(3, 7)` den Codepoint von `Q` #### Scenario: Abfrage außerhalb des Bildschirms - **WHEN** bei 80×25 `SCREEN(30, 1)` ausgewertet wird - **THEN** tritt Laufzeitfehler 5 auf ### Requirement: Tastatureingabe ohne Zeilenmodell `INKEY$` SHALL ohne zu blockieren die nächste anstehende Taste liefern: den leeren String bei leerem Puffer, ein Zeichen bei einer Zeichentaste, eine zwei Zeichen lange Folge mit führendem Nullzeichen bei einer Sondertaste. `INPUT$(n [, #dateinummer])` SHALL genau `n` Zeichen lesen und dabei blockieren, ohne sie am Bildschirm zu wiederholen. #### Scenario: INKEY$ bei leerem Tastaturpuffer - **WHEN** `INKEY$` ohne anstehende Taste ausgewertet wird - **THEN** liefert es den leeren String und blockiert nicht #### Scenario: Sondertaste als zwei Zeichen - **WHEN** F1 gedrückt wurde und `INKEY$` ausgewertet wird - **THEN** hat das Ergebnis die Länge 2 und beginnt mit dem Nullzeichen ### Requirement: Keine feste Bildschirmgröße im Verhalten Kein beobachtbares Verhalten SHALL eine feste Spalten- oder Zeilenzahl voraussetzen. Wo die Referenz des Vorbilds von 80×25 spricht, ist stets der volle aktuelle Bildschirm gemeint. Insbesondere SHALL `CLS` den vollen aktuellen Bildschirm löschen, der Scrollbereich ohne eigene `VIEW PRINT`-Einstellung den vollen aktuellen Bildschirm umfassen, der Zeilenumbruch an der aktuell letzten Spalte erfolgen, das Scrollen an der aktuell letzten Zeile des Bereichs auslösen und die Grenzprüfung von `LOCATE` und der Funktionsform von `SCREEN` gegen die aktuellen Abmessungen prüfen. Die Werte 80 und 25 MUST NOT als Grenze in beobachtbarem Verhalten auftreten. #### Scenario: Löschen und Scrollen auf großem Bildschirm - **WHEN** der Bildschirm 120×40 misst, in Zeile 40 ein Umbruch erfolgt und danach `CLS` ausgeführt wird - **THEN** scrollt der Bildschirm erst an Zeile 40 und `CLS` löscht alle 40 Zeilen #### Scenario: Adressierbarkeit jenseits von 80×25 - **WHEN** der Bildschirm 120×40 misst und `LOCATE 40, 120` ausgeführt wird - **THEN** entsteht kein Fehler und `CSRLIN` liefert 40, `POS(0)` liefert 120 ### Requirement: Größenänderung zur Laufzeit Ändert sich die Größe der Darstellungsfläche während ein Programm läuft, SHALL die Größenänderung als Ereignis bis zum Bildschirmzustand durchgereicht und der Zellenpuffer angepasst werden. Der Inhalt SHALL oben links erhalten bleiben; der Cursor SHALL in die neuen Grenzen geklemmt werden; ein `VIEW PRINT`-Bereich, der nicht mehr vollständig in den Bildschirm passt, SHALL auf die neuen Grenzen geklemmt und, falls er dadurch leer würde, auf den vollen Bildschirm zurückgesetzt werden. Alle programmseitig sichtbaren Größen — `CSRLIN`, `POS`, die Grenzen von `LOCATE` und der Funktionsform von `SCREEN` — MUST unmittelbar nach der Änderung die neuen Abmessungen widerspiegeln. #### Scenario: Vergrößerung während der Ausführung - **WHEN** ein laufendes Programm bei 80×25 ausgibt und die Fläche auf 120×40 wächst - **THEN** bleibt der bisherige Inhalt oben links stehen und `LOCATE 40, 120` ist danach zulässig #### Scenario: Verkleinerung klemmt den Cursor - **WHEN** der Cursor auf Zeile 40 steht und die Fläche auf 80×25 schrumpft - **THEN** liegt der Cursor danach innerhalb der neuen Grenzen #### Scenario: Scrollbereich überlebt die Verkleinerung - **WHEN** `VIEW PRINT 30 TO 38` gesetzt ist und die Fläche auf 25 Zeilen schrumpft - **THEN** ist der Scrollbereich danach gültig und liegt vollständig innerhalb des Bildschirms