# Design — Phase 2: Bytecode und VM ## Context Motivation siehe proposal.md („Why"). Ausgangslage: `tb-frontend` liefert AST + Diagnosen, wirft aber alle Sema-Ergebnisse (Typen, Slots, Konstanten) weg; `tb-vm` ist ein Stub. Rahmenbedingungen aus PLAN.md und docs/tbvm-design.md: Instant-Compile (Single-Pass, keine Optimierungspasses), Interpreter-Tempo in Lua-Klasse, Werte-Modell als Tagged Enum mit `Rc` (kein GC — der Dialekt kennt keine Zyklen), `step()`-basierte, unterbrechbare VM. Entscheidungen dieses Dokuments wurden am 2026-09-02 in einer Explore-Session getroffen und bestätigt. ## Goals / Non-Goals **Goals:** - Durchgängige Pipeline Quelltext → HIR → Bytecode → Ausführung mit byte-genauer Korpus-Ausgabe. - Debugger-taugliche VM-Architektur, ohne dass der Debugger selbst (Phase 5) schon gebaut wird. - Builtin-ABI, die Phase 3 nur noch „auffüllt". **Non-Goals:** - Mehrmodul-Linking und `COMMON`-Verknüpfung über Moduleinheiten (die Prozedurtabelle ist modul-qualifiziert angelegt, verknüpft wird ab Phase 5 mit `.MAK`-Projekten). - Datei-E/A, Ereigniszustellung (Hooks über Tick-Flag-Wort genügen), `tbc build --exe`, Optimierungspasses jeder Art. ## Decisions ### D1 — Typisiertes HIR als Sema-Ausgabe (statt Doppel-Resolution oder Side-Tables) Die Sema wird vom reinen Checker zum Lowering-Pass: Ausgabe ist ein eigener HIR-Baum (Namen → Slots, Typen an jedem Ausdruck, Konstanten gefaltet, implizite Konvertierungen als explizite Knoten). Verworfen: (a) Codegen resolved selbst nochmal — dupliziert die Typisierungslogik, Divergenz-Bugs; (b) Side-Tables am AST — der AST hat keine Node-IDs, Pointer-Keys sind fragil. Das HIR hält das Single-Pass-Budget ein (alle Pässe linear, keine globale Analyse) und macht den Codegen zum dummen Tree-Walk. ### D2 — Monomorpher Opcode-Satz, Konvertierungen als eigene Opcodes Da das HIR jede Konvertierung materialisiert, sind alle Arithmetik-, Vergleichs- und Konvertierungs-Opcodes typrein (`ADD_I16`, `ADD_F64`, `CONV_I16_F64`, `STR_EQ` …). Kein Tag-Dispatch in heißen Pfaden; die Konvertierungsmatrix lebt an genau einer Stelle (HIR-Erzeugung), der Interpreter bleibt eine enge `match`-Schleife. Preis: breiter Opcode-Satz (~150–200) — Fleiß, keine Komplexität. Encoding: Opcode 1 Byte; Slots u16; Konstantenpool-Index u16 (Wide-Variante bei Bedarf); Sprünge u32-absolut innerhalb der Prozedur (fixup-freundlich). ### D3 — Host-Trait mit blockierenden Aufrufen (statt Yield-Modell) Alle Konsolenwirkungen laufen über ein `Host`-Trait (Ausgabe, Zeile lesen, Abbruchprüfung). Host-Calls dürfen blockieren und sind aus VM-Sicht atomar; Ticks (Breakpoints, Einzelschritt, Abbruch) greifen an Anweisungsgrenzen. Verworfen: VM „yieldet" bei E/A und der Einbetter erfüllt Requests — debuggerfreundlicher, aber deutlich komplexer; für den IDE-Debugger reicht die Anweisungsgranularität. Implementierungen: Konsolen-Host (`tbc run`), Capture-Host (Test-Harness), später Zellenpuffer-Host (Phase 3/5). ### D4 — Fehlerbehandlung: Handler-Zustand modul-global + pro Frame `ON ERROR GOTO` setzt den modulweiten Handler, `ON LOCAL ERROR` einen Frame-lokalen, der ihn verdeckt. Beim Fehler: aktiven Handler suchen (erst Frame-Kette nach LOCAL-Handlern, sonst Modul-Handler), Stack bis zum Handler-Frame abwickeln, gemerkten Anweisungs-Offset + Frame für `RESUME` sichern, `ERR`/`ERL` setzen. Fehler bei aktiver Behandlung → sofortiger Abbruch (keine Kaskade). Grundlage ist die Original-Hilfe (Topics `ON ERROR`, `RESUME`); ein Emulator-Spike ist nur nötig, falls die Doku Lücken lässt. ### D5 — GOSUB-Stack pro Frame `GOSUB` legt die Rücksprungadresse auf einen separaten Stack im aktuellen Frame (kein Call-Frame); `RETURN` bedient zuerst diesen Stack. Prozedurende mit nicht-leerem GOSUB-Stack verwirft ihn (wie beim Vorbild beim Verlassen der Prozedur). ### D6 — Runner-Verhalten `STOP`/`CONT` `STOP` außerhalb der IDE terminiert mit Meldung + Exit-Code ≠ 0; `END`/ Programmende → Exit-Code 0. `CONT` ist Direktmodus-Konzept der IDE (Phase 5) — die `step()`-Architektur liefert Suspend/Resume dort gratis. ### D7 — `.tbc` mit eigenem Writer/Reader (kein serde) Format bleibt stabil, dokumentiert und unabhängig von Crate-Versionen; Abschnittstabelle erlaubt spätere Abschnitte (FORMS ab Phase 4) ohne Versionsbruch. Prozedurtabelle trägt von Beginn an die Modulkennung. ### D8 — Benchmarks als früher Bestandteil, nicht als Abschluss Das Compile-Budget-Harness (generiertes ~50k-Zeilen-Projekt) entsteht früh in der Phase, damit Architekturfehler (z. B. quadratische Fixup-Listen) sofort auffallen. Criterion-Benches für VM-Durchsatz (Schleifen/Strings); Ergebnisse werden in docs/tbvm-design.md festgehalten. Ein Dispatch-Mikrobenchmark vorab wurde verworfen (vorzeitige Optimierung — gemessen wird am echten Interpreter). ## Risks / Trade-offs - [Sema-Umbau destabilisiert Phase-1-Ergebnis] → Diagnostik-Verhalten ist durch die 33 Frontend-Tests + Korpus fixiert; Umbau gilt erst als fertig, wenn alle Bestandstests grün sind. - [Opcode-Breite macht Interpreter-Match unübersichtlich] → Opcodes systematisch gruppieren (Makro/Tabelle generiert Emit + Dispatch konsistent); Dokumentationspflicht in tbvm-design.md. - [Konvertierungsmatrix enthält falsch rekonstruierte Zellen] → jede Zelle mit Fundstelle in der Original-Hilfe belegen; unklare Zellen als `TODO verify` im Korpus markieren (Konvention besteht). - [PRINT-Zahlformatierung (SINGLE/DOUBLE-Stellen) weicht ab] → byte-genaue Korpustests decken Randfälle ab; Formatierungsregeln aus der Original-Hilfe ableiten, Abweichungen dokumentieren. - [Blockierende Host-Calls verhindern Abbruch während INPUT] → akzeptiert für Phase 2 (Abbruchprüfung obliegt dem Host); die Ereignisschleifen-Architektur (Phase 4) kann den Host asynchroner gestalten, ohne die VM zu ändern. ## Migration Plan Rein additiv (neue Crate-Inhalte, neue Sema-Ausgabe neben bestehender Diagnostik). Kein Rollback-Plan nötig; PLAN.md-Haken und docs/tbvm-design.md-Fortschreibung erfolgen beim Abschluss der Phase. ## Open Questions - Exakte Ergebnistyp-Regel für `^` sowie Stellenzahl der SINGLE/DOUBLE-Textdarstellung: wird beim Ausformulieren der Matrix aus der Original-Hilfe übernommen; ändert weder Ansatz noch Task-Zuschnitt. - Ob `ERL` beim Vorbild auch Zeilennummern aus `GOSUB`-Zielen o. ä. Sonderfällen meldet: bei Doku-Lücke entscheidet ein kurzer Emulator-Check; betrifft nur eine Matrix-/Handlerzelle.